30. August 2006

Das Ende einer Lücke

„Wann wurden Sie mit dem Science Fiction-Virus infiziert, Herr Schweitzer?“

Hört sich an wie eine klassische Interviewfrage, nicht wahr. Während der Neuerfassung meiner Buchsammlung, von mir auch in stillen Stunden liebevoll Bibliothek genannt, habe ich mir diese Frage immer dann gestellt, wenn ich grade mal wieder keine Lust hatte oder vor lauter Büchern kein Morgen mehr sah. Sicher, so mancher SF-Fan wird über eine Sammlung von rund 1250 Titel lächeln (der Sammeltrieb von SF-Fans ist ja berüchtigt), aber ich musste auch vor einigen Jahren aus Platzgründen kräftig reduzieren. So warf ich meine komplette Heftsammlung bestehend aus Terranauten, Terra (in vielen Inkarnationen), usw. raus. Dies fiel auch in die Phase als ich das Interesse an Perry Rhodan verlor und die komplette Heftsammlung sowie meine Silberbände abstieß. Danach pendelte sich alles auf einem Pendel ein, mit dem ich leben konnte. Kurz danach hatte ich noch Gelegenheit mir die Sammlung eines Komplettisten zu Gemüte zu führen, was ich zum schließen von diversen Lücken nutzte.

Gut, das klärt nicht, warum ich zur SF kam. Das ist schnell erklärt. In meiner Vorstellung auf meiner privaten Homepage schreibe ich, dass ich mich schon als Kleinkind über die bunten Heftchen ohne Bilder gewundert hatte, die meine Mutter las. Tatsächlich hat meine Mutter einige Zeit PR gelesen und auch noch heute ist sie der SF zugetan. Vor kurzem hat sie sich die Rock Rats-Romane von Ben Bova zu Gemüte geführt und auch seine Grand Tour-Romane gefallen ihr gut. Die Initialzündung für das Interesse an SF & Phantastik war ein Kinofilm, der für viele meiner Generation interessant war: STAR WARS. Damals noch ohne irgendwelches Episodengedöns. Heute firmiert der Film unter EPISODE IV: A NEW HOPE. Sowas hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Als ich mit 11 (STAR WARS lief in Deutschland erst 1978) die Abenteuer von Luke Skywalker und Han Solo auf der Leinwand sah, war ich begeistert. Schon damals zeichnete sich hier auch mein Filminteresse ab, mit dem ich heute auch noch lebe. STAR WARS brachte mich zu anderen SF-Filmen, später zu Superheldencomics. Damals versuchte meine Mutter mich auch zum Buchlesen zu bringen, aber das war mir zu trocken. Doch irgendwann lieh ich mir in der Stadtbücherei ein Buch aus, in dem es um einen Jungen ging, der mit seinen Eltern auf der Venus strandet. Dort muss er sich mit fledermausähnlichen Wesen auseinandersetzen sowie mit einem bösen irdischen Wissenschaftler, der diese Wesen manipuliert. Nach langen Jahren habe ich den Titel des Roman mittlerweile gefunden: Irrfahrt zur Venus von Philip Latham

Nach dem Genuss dieses Werks war es um mich geschehen. Kurze Zeit später entdeckte ich Perry Rhodan. Dort stand gerade der Band 1000 an. Den suchte ich, fand ihn aber nicht. Kein Wunder, denn ich war eine Woche zu früh. Also kaufte ich Band 999, bei dem ich nur Bahnhof verstand. Die goldene Regel bei PR ist ja: Nie einsteigen, wenn ein Zyklus zu Ende geht. Damals wusste ich das nicht. Eine Woche später versuchte ich mein Glück mit Band 1000. Siehe da, diesmal funktionierte alles. Doch die aktuelle Handlung sagte mir damals nicht so zu. In der hiesigen Stadtbücherei fielen mit die Silberbände in die Hände. Band 3 machte den Anfang. Die Geschichte um das galaktische Rätsel faszinierte mich. Über die Silberbände sowie einem Umweg über die 3. Auflage kam ich dann zur PR 4. Auflage. Hier hatte vor kurzem der Meister der Insel-Zyklus begonnen. Danach war es um mich geschehen.

Viele Star Trek-Fans haben mit sonstiger SF eigentlich nichts am Hut. Ich kannte auch mal Trekker, die standfest behaupteten Star Trek sei keine SF. Na ja, das kann man sehen wie man will. Tatsache ist allerdings, dass Perry Rhodan mir die Augen auch für andere SF öffnete. Ideale Einstiegsdrogen waren die frühen Romane von Isaac Asimov oder E. E. Smiths Lensmen-Zyklus. Es folgten Edmond Hamilton und viele andere. Natürlich ändert sich der Geschmack mit voranschreitendem Alter, doch manche Sachen ändern sich nie. Ich mag immer noch Asimov, aber auch Arthur C. Clarke, James P. Hogan, Gregory Benford, Jack McDevitt und viele mehr. Einen besonderen Stellenwert gebe ich Philip K. Dick, auf den durch einen Freund kam. Nachdem ich seinen Flow My Tears, The Policemen Said (deutsch: Eine andere Welt) gelesen hatte, war es wiederum um mich geschehen. Romane wie The Man In The High Castle (dt.: Das Orakel vom Berge) oder Radio Free Albemuth gehören zu meinen großen Lieblingen. Genauso wie Joe Haldeman The Forever War und James P. Hogans Giants-Zyklus.

Natürlich ist eine gute SF-Sammlung nie komplett. Schon früher hatte ich von der Helliconia-Trilogie gehört, doch irgendwie hat sie mich nie so interessiert. Vor einiger Zeit las ich eine Rezension darüber, was mich dazu bewegte mir die Bücher zuzulegen. Rund eineinhalb Jahre jagte ich auf Ebay hinter ihnen her, denn sie gehören zu den Sachen, die regelmäßig ziemlich hochpreisig weggingen, wie beispielsweise die Tripods von John Christopher (jetzt neu aufgelegt und vierbändig) oder einige Romane von Philip K. Dick. Doch im August 2006 hatte ich endlich Glück. Für rund 14 Euro ersteigerte ich die Hardcoverausgabe, die im Bechtermünz Verlag erschien und identisch mit der Ausgabe ist, die im Rahmen der Bibliothek der SF-Literatur bei Heyne herausgebracht wurde. Tja, und obwohl ich eigentlich noch den dritten Roman der PAN-THAU-RA-Trilogie von PR fertiglesen müsste, habe ich begonnen im ersten Helliconia-Band zu schmökern. Mit Folgen, denn ihn habe ich jetzt durch und muss wissen wie es weitergeht. Muss ich halt zwei Bücher auf einmal lesen. Ist auch kein Problem. *grins*

Mit dem Kauf der Helliconia-Trilogie hat sich eine meiner großen Lücken in meiner Sammlung geschlossen. Viele sind es nicht mehr, aber das nächste Jagdobjekt habe ich schon im Auge: den Orbital-Hospital-Zyklus von James White. Aber der wird auch ziemlich hoch gehandelt. Aber ich habe Zeit. Wird schon werden…

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